Kallie George, Anne auf Green Gables
„Am Bahnhof angekommen, konnte Matthew weit und breit keinen Jungen entdecken. Dafür stand dort aber ein Mädchen. Unter ihrem ausgeblichenen, breitkrempigen Hut baumelten zwei rote Zöpfe. Sie hatte große Augen und ein spitzes Gesicht voller Sommersprossen und trug eine abgewetzte Reisetasche in der Hand.
Die beiden älteren Geschwister Matthew und Marilla Cuthbert leben gemeinsam auf ihrem Hof mit dem Namen Green Gables. Sie haben beim Waisenhaus um einen Jungen angefragt, der dem älter werdenden Matthew bei der schweren Arbeit unter die Arme greifen soll. Als Matthew den Jungen vom Bahnhof abholen kommt, stellt er zu seiner Verwunderung fest, dass kein Junge, sondern ein ganz eigenwilliges Mädchen mit roten Zöpfen mit ihrer Reisetasche am Bahnsteig wartet.
„Wenn ich meine Augen schließe, bin ich sofort wieder dort und sehe die lachenden Gesichter; die Leute jubeln und rufen meinen Namen, Lachtränen laufen über ihre Wangen. Ich kann die Samtvorhänge spüren, höre das Rascheln der Naschtüten und den Applaus. Der Applaus war das Beste.“ (S. 7)
„»Übst du heute wieder graben?« »Heute habe ich keine Lust. Vielleicht morgen.« »Nicht jeder Maulwurf kann gut graben. Ich buddle ständig in die falsche Richtung oder bekommen Erde in den Mund. Und manchmal habe ich Angst im Dunkeln. Alle anderen unternehmen schöne Ausflüge. Und ich soll immer nur buddeln? Heute nicht.«“
„Das Ferkel mit dem nicht geringelten Ringelschwanz hockte unter einem Baum und lauschte den Geräuschen des Waldes. Der Wind ließ das Laub rascheln und ein kleiner Plauderfink sang wunderschön. Das Ferkel schloss die Augen und horchte. Aber was war DAS? Ein dünnes, hohes Summen kam immer näher, mal laut, mal leise. Vielleicht eine winzige Fliege? Oder eine Maus auf einem Moped? Plötzlich verstummte das Geräusch.“
„Am Rande der Großstadt, versteckt in einem Park, stand ein kleines Häuschen: Das Zuhause von Mister O’Lui. Jeden Morgen kochte Mister O’Lui zwei warme Tässchen Kakao, schmierte zwei leckere Käsebrote mit Marmelade und freute sich auf alles, was der neue Tag so bringen würde.“
„Im nicht sehr finsteren Finsterwald lebt die kleine Eulenhexe Petunia von und zu Nadelbaum mit ihren sieben kleinen Eulen. Und dann ist da noch Herr Spiegelei, Petunias Flugsauger. Er wohnt auch im Baumhaus. Wo er heute nur bleibt?“ (S. 10)
„Viele Reisen beginnen an einem Bahnhof. Auch am Anfang unserer Sprachreise steht ein Bahnhof, nämlich das Wort Bahnhof. »Ich verstehen nur Bahnhof« - das sagst du vielleicht, wenn du nicht verstehst, was andere zu dir sagen. »Wie meinst du das?«, fragst du dann, und vielleicht ist alles schnell geklärt. Es ist also nicht so schlimm, wenn du manchmal Bahnhof verstehst. Nicht schlimm und auch nicht verwunderlich.“ (S. 15)
„Der Wald war Luas Zuhause und seine Bewohner waren Luas Freunde. Denn Lua war eine Waldelfe. Sie sah eigentlich beinahe aus wie ein Mensch – allerdings mit zwei wesentlichen Unterschieden: Erstens wuchsen aus ihrem Rücken, zarte, fast durchsichtige Flügel. Und zweitens war Lua ziemlich klein. Sie war nur etwa so groß wie der Backenzahn eines Riesen. Also etwas größer als eine Maus, aber deutlich kleiner als ein Hase.“ (S. 9)
„Bei Nina zu Hause gibt es einen Türrahmen, der ganz mit Strichen und Zahlen vollgekritzelt ist. Daran kann man ablesen, wie groß Nina, ihre ältere Schwester Julia und Mama und Papa gerade sind. Mama und Papa haben jeweils nur einen Strich, weil sie nicht mehr wachsen, aber Nina und Julia haben massenhaft Striche! Und als Nina heute nachmisst, wie groß sie geworden ist, ist ihr neuer Strich weiter oben als der alte, an dem Julia steht.“ (S. 7)
„Das Nichts ist traurig. «Ich bin ein Nichts und bleibe ein Nichts. Und ich sehe nach nichts aus. Wie ein Nichts eben. Aber das ist ja nichts Neues. Da kann ich nichts machen.» Am liebsten würde es sich in nichts auflösen. Und dann? Ständen alle da ohne das Nichts.“