Gudrun Pausewang, Räuber Grapsch
„Das ist Räuber Grapsch, der sich nie wäscht und kämmt. Unglaublich, was alles in seinem Bart hängt! Grapsch ist zwar gutmütig, aber nicht besonders schlau. Dafür ist er stark. Er haust in einer Höhle tief im Wald, die voller Fledermäuse hängt.“
Der Räuber Grapsch ist es gewöhnt, alle Menschen in Furcht und Schrecken zu versetzen, obwohl er im Grunde seines Herzen doch eher gutmütig ist. Umso mehr erstaunt es ihn, als er eines Tages einer jungen Frau begegnet, die überhaupt keine Angst vor ihm zeigt, sondern sich sogar für ihn zu kümmern beginnt und sich für ihn interessiert.
In den guten multiplen Romanen gibt es so viele Lesemöglichkeiten, dass zwei Leser im Gespräch darüber oft eine Zeitlang brauchen, um zu kapieren, dass sie den gleichen Roman gelesen haben.
„Die Kreatur malte mit ihren ölgetränkten Fingern etwas auf die Straße. Es war das Bild einer Fledermaus. Mit ausgebreiteten Flügeln, genau wie das Symbol auf Batmans Brust. Das Monster blickte Robin an. Es zeigte auf das Fledermausbild und dann auf sich. »Batman? Bist du das?«, fragte Robin.“ (101f)
Das hat die Freiheit so an sich: Wenn man sich nach ihr sehnt, ist sie unendlich hell und freundlich, wenn sie da ist, wird sie manchmal dunkel und bissig.
„»Es kümmert mich nicht, was sie in mir sehen, Edwards. Ich werde Ihnen jetzt einen Vorschlag unterbreiten.« Ich pausierte. »Nun, keinen Vorschlag, denn eine Wahl haben Sie nicht. Sie lassen das Mädchen frei und geben den Jungen in meine Obhut. Er wird fortan mein Lehrling sein.“ (24)
„Hat Jesus jemals gelebt? Oder ist er nur ein Phantom. »War Jesus doch nur eine Erfindung der urchristlichen Gemeinde?«, fragt Augstein. Eine erdichtete Figur, ausgesponnen von frühen Christen und Kirchenmännern? Kann man diese Frage heute noch klären? Gibt es von Jesus überhaupt noch greifbare Spuren in der Geschichte?“ (18)
„Dieses kleine Mädchen sah besonders süß und obendrein sehr leichtsinnig aus. Und es stapfte geradewegs auf den Wolf zu! Jetzt musste ihm nur noch ein raffinierter Spruch einfallen. »Junges Fräulein, darf ich’s wagen? Wohin des … he!« Da war das Mädchen auch schon vorbei.“
Das schönste Argument, das einem Buch widerfahren kann, ist die Bemerkung: Dieses Buch liest sich wie von selbst!
In einer Welt voller Vernetzung und großer Stückzahl von schlichten Gedanken ist die solitäre Individualität vermutlich das höchste Lebensgut und vielleicht der letzte Lebenssinn.
„Der Fels fing an, sich zu bewegen, oder flog er sogar, ein Sausen und Brausen war um die beiden Kinder herum, dass sie die Augen schließen mussten, und als das Sausen vorbei war und sie die Augen wieder öffneten, merkten sie, dass sie nicht auf einem Felsen saßen, sondern auf einem Tier.“ (55)