Belletristik

Eva Kittelmann, Die Quadratur der Szenen

h.schoenauer - 28.02.2022

eva kittelmann, die quadratur der szenenIn der Schokoladenbranche gibt es einen Anbieter, der sein Produkt quadratisch anbietet. Unter Zuhilfenahme diverser Werbemaßnahmen ist es ihm angeblich gelungen, die Schokolade dermaßen zu formatieren, dass jedes einzelne Stück auf der Zunge quadratisch schmeckt.

Eva Kittelmann hat vor Jahren damit begonnen, ihr Werk quadratisch darzustellen und damit „abzurunden“. Ausgangspunkt für ihre Überlegung ist der schöne Satz von der Quadratur des Kreises, was als höchste Kunst diverser Denkrichtungen angesehen wird. Die Quadratur bei Eva Kittelmann schöpft aus einem lebenslang gespeisten Fundus diverser Texte, die für die Quadratur-Edition, geordnet nach Denk-Zugängen, neu zusammengestellt sind. Dabei entsteht das inzwischen viel zitierte Quadratformat, das sowohl im Regal als auch in der lesenden Hand unverwechselbare Harmonie verströmt, das Buch wird nach allen vier Seiten gleich offen oder rätselhaft, wie es eben die Quadratur des Buches ermöglicht.

Eva Kittelmann, Die Quadratur des Denkens

h.schoenauer - 17.02.2022

eva kittelmann, die quadratur des denkensIn der Schokoladenbranche gibt es einen Anbieter, der sein Produkt quadratisch anbietet. Unter Zuhilfenahme diverser Werbemaßnahmen ist es ihm angeblich gelungen, die Schokolade dermaßen zu formatieren, dass jedes einzelne Stück auf der Zunge quadratisch schmeckt.

Eva Kittelmann hat vor Jahren damit begonnen, ihr Werk quadratisch darzustellen und damit „abzurunden“. Ausgangspunkt für ihre Überlegung ist der schöne Satz von der Quadratur des Kreises, was als höchste Kunst diverser Denkrichtungen angesehen wird. Die Quadratur bei Eva Kittelmann schöpft aus einem lebenslang gespeisten Fundus diverser Texte, die für die Quadratur-Edition, geordnet nach Denk-Zugängen, neu zusammengestellt sind. Dabei entsteht das inzwischen viel zitierte Quadratformat, das sowohl im Regal als auch in der lesenden Hand unverwechselbare Harmonie verströmt, das Buch wird nach allen vier Seiten gleich offen oder rätselhaft, wie es eben die Quadratur des Buches ermöglicht.

Hanne Römer, .aufzeichnensysteme, Raute

h.schoenauer - 21.01.2022

hanne römer, rauteWenn das Medium Buch gesprengt wird, entsteht vielleicht daraus eine Raute, die sich als Vorsatzzeichen für Hashtag-Botschaften einsetzen lässt.

Hanne Römer setzt jedenfalls mit „Raute“ den Schlusspunkt eines Aufzeichnungsdestillats, dessen frühere Bände „Grate“ und „Im Grünen“ heißen. Im dritten Band ist wieder alles in Aufruhr und Umbruch, das Material drängt sich so übermächtig zu einem Haufen zusammen, dass selbst die Autorenschaft überlagert wird.

Gundi Feyrer, Der Tempel des Nichts

h.schoenauer - 29.12.2021

gundi feyrer, der tempel des nichtsWenn Materie nicht aus Materie besteht, wie in Physikerkreisen formuliert wird, dann könnte vielleicht Dichtung Materie sein?

Gundi Feyrer geht mit ihrem Roman „Der Tempel des Nichts“ an die Anfänge der Existenz, des Weltalls und des Bewusstseins zurück. In der einen Lesart ist die Welt aus dem Urknall entstanden, in einer anderen Sichtweise hat sich das Nichts so lange selbst angestarrt, bis daraus ein Spiegelbild geworden ist, in einer religiösen Fassung ist die Welt gar aus Worten gemacht. Hinter all diesen Thesen steckt nicht nur eine elegante Verführung zur Entfaltung von Sinn, sondern vermutlich beinharte Zauberei. Deshalb trägt der Roman in Klammern den Untertitel das Zaubern.

Juliane Adler / Martin Winter (Hg.), Brett voller Nägel.

h.schoenauer - 25.12.2021

juliane adler, brett voller nägelWenn dir beim Aufschlagen eines Buches alles fremd ist, lies es wie ein Lexikon!

Die chinesische Lyrik-Anthologie „Brett voller Nägel“ ist im ersten Anriss dermaßen fremd, dass nicht einmal der Tipp mit dem Lexikon weiterhilft. Aber das Herauslesen diverser Bausteine ergibt dann doch einen zweifachen Lesenutzen. Einmal erfährt man sehr viel über ein literarisches Feld, das für die meisten eine weiße Wüste im Hirn ist, und zum anderen läuft ständig die Frage mit, ja wie lesen wir eigentlich in Österreich eine Lyriksammlung?

Lew Tolstoi, Krieg im Kaukasus

h.schoenauer - 15.11.2021

lew tolstoi krieg im kaukasusTourismus und Krieg sind die Triebfedern dafür, dass wir uns zwischendurch für die Literatur scheinbar entlegener Gegenden interessieren. Manche halten den Tourismus für eine Sonderform des Krieges, was die Lesemotivation noch einmal vereinfacht. Am liebsten sind uns dabei Dinge, die uns schon vertraut sind.

So bringt eine Neuübersetzung der altvertrauten Texte Lew Tolstois den angenehmen Effekt, dass wir mit der Lektüre auf der Höhe des sprachlichen und sonstigen Zeitgeistes sind. Außerdem ist das Gruseln alter Texte besonders wirksam, wenn es in einer griffigen Gegenwartssprache geschieht.

Jörg Piringer, datenpoesie

h.schoenauer - 13.10.2021

jörg piringer, datenpoesieHinter dem unscheinbaren Begriff „Datenpoesie“ tut sich eine literarische Revolution auf. Hier schreibt nicht mehr ein Autor Gedichte oder poetische Texte, sondern die Programme, einmal in Bewegung gesetzt, spulen ihr poetischen Akzente ab. Logischerweise dürfte diesem Unterfangen nicht ein lebender Leser in die Quere kommen, sondern ein kluger Leser müsste dieser Poesie sein eigenes Leseprogramm entgegenhalten, sodass sich zwei Künstliche Intelligenzen gegenseitig auslesen und in Schach halten könnten.

Jörg Piringer verweist trocken auf den Forschungsstand der Datenpoesie. Zwar ist allerhand disparat aufgestelltes Material herum, aber nur wenige haben bisher die diversen Programme, poetischen Algorithmen und Dichtungsströme Künstlicher Intelligenz zusammengefasst. Der Autor tut dies in der guten alten Form eines Lexikons, das Profis und Neulingen mit Anfangsverdacht beste Auskunft gibt.

Alfred Paul Schmidt, Die Logik der Schatten

h.schoenauer - 07.07.2021

alfred paul schmidt, die logik der schattenDer Aphorismus ist ein Brühwürfel, der eine würzige Argumentationskette auslöst, wenn man ihn ins Gespräch wirft.

Alfred Paul Schmidt blickt auf ein reiches Schriftstellerisches Leben zurück, dabei kristallisieren oft ganze Bücher und Schriftsätze zu Aphorismen aus. Außerdem hat der Autor eine Zeitlang wöchentlich einen Aphorismus für eine Zeitung geschrieben. Das Brüh-Verfahren dafür ist originell, jeden Tag entsteht ein guter Spruch, und am Wochenende setzt der Redakteur einen davon in die Zeitung. So entstehen über-konzentrierte Textzeilen, die wahrlich aus dem Alltagsgeschehen ausbrechen und das Zeug für die Zeitlosigkeit haben.

Alois Reiter, Polterdämmerung

h.schoenauer - 16.06.2021

alois reiter, polterdämmerungWas für ein aufregender Abgang! Es poltert ein wenig, eine Epoche geht zu Ende, langsam wird es dunkel, vielleicht beruhigt sich auch alles wieder.

Alois Reiter greift für seine Sammlung von Gedichten und Aphorismen auf ein seltsames Wort zurück, das ein wenig nach Brauchtum, Heimatverbundenheit, Naturgegebenheit und Abgang klingt. Ein lyrisches Ich zieht sich zurück, poltert noch einmal ordentlich, schickt auch den einen oder anderen schweren Stein in die Tiefe, ehe es dann ruhig wird und das Herz aus dem Stolpermodus zurückfindet in die Gelassenheit.

Matthias Schönweger, Der Augenblick – Der Wimpernschlag

h.schoenauer - 16.04.2021

matthias schönweger, der augenblickManche Bücher nehmen die Aufgabe, einen haptischen Zusatzgenuss zu vermitteln, so ernst, dass sie beinahe in eine Skulptur ausarten. Solche Bücher kommen dann nicht mit der Post, sondern mit dem Sack-Roller auf den Schreibtisch. Man ist im ersten Durchgang vor allem mit dem Blättern und räumlichen Zuordnen des Textes im Raum beschäftigt, man fühlt sich eher unter einem Triumphbogen stehend, als vor einem Buch sitzend.

Matthias Schönweger wählt die Gedichtform immer dann, wenn er das Gedicht sprengen will. Bei ihm haben die Wörter mehrfache Bedeutungen, ein Gedicht sprengen heißt also wirklich, es in die Luft zu jagen. Zu diesem Zweck werden die Wortteile in Großbuchstaben gesetzt und fliegen durch das unter Druck gesetzte Papier und hinterlassen Schmauchspuren, Einschläge, Wortkerben, die noch lange anhalten, wenn das Gedicht selbst schon verschmaucht ist.