Belletristik und Sachbücher

Yussi Pick, Das Echo-Prinzip

h.schoenauer - 24.07.2014

Im Online-Verkehr herrscht ein dermaßen großer Speed, dass nicht alle dargestellten Maßnahmen bei der Drucklegung des Buches noch aktuell sind.

Yussi Pick weiß um die Schnelllebigkeit des Online-Wesens, deshalb lautet seine wichtigste These gleich zu Beginn: Die modernen Medien lösen einander nicht ab sondern funktionieren als gegenseitige Ergänzung.

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Schwarzer Flieder

h.schoenauer - 20.07.2014

Der Bauernroman gilt in seiner Verkitschung durchaus als folkloristische Begleitmusik zu touristischen Werbekampagnen, der Bauern-Sterberoman hingegen hat noch das Zeug zu Sozialkritik und authentischer Dokumentation.

Reinhard Kaiser-Mühlecker setzt daher im Roman „Schwarzer Flieder“ seine Figuren in ein bäuerliches Ambiente und lässt sie darin verrecken. Held ist der studierte Agrarier Ferdinand, der im Wiener Ministerium die Landwirtschaft nach wissenschaftlichen Parametern dokumentiert. Der Sektionschef unterstützt ihn freundschaftlich, die Freundin Susanne lebensorientiert, so dass er sie heiraten möchte. Da aber bringt sich Susanne um und Ferdinand gerät in eine Krise, weil man ihn unter der Hand für die Ursache ihres Suizids hält.

Giwi Margwelaschwili, Verfasser unser

h.schoenauer - 17.07.2014

„Ein Text ist zwar ein Gefängnis, aber guck mal nach, wo es löchrig wird.“ (102) Mindestens so abenteuerlich-grotesk wie der Lebenslauf Giwi Margwelaschwilis ist natürlich auch seine Literatur.

Der Autor wird seinerzeit 1946 vom sowjetischen Geheimdienst aus Berlin nach Georgien entführt, woraus er erst vierzig Jahre später wieder ausreisen darf. Mittlerweile wieder freiwillig nach Tiflis zurückgekehrt, kennt er sich in der deutschen und georgischen Literatur aus, die oft über erst einen bürokratischen Vorgang zur vollen Entfaltung kommt.

Geraldine Friedrich (Hg.) Reisen mit Kindern

andreas.markt-huter - 13.07.2014

„Die Frage ist: was wollen die Eltern, was gefällt den Kindern und wie lassen sich beide Bedürfnisse in einer begrenzten Zeit unter einen Hut bringen?“ (4)

Verreisen mit Kindern bedeutet nicht nur, sich auf Entspannung und Urlaub zu freuen, sondern auch sehr viel Alltagsarbeit und die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Kinder zu berücksichtigen. Der Reiseratgeber bietet zahlreiche Tipps für unterschiedliche Urlaubsformen, die von Reisen mit Kleinkindern durch Afrika über einen Urlaub mit Eseln in Südfrankreich bis hin zum Camping in Nordnorwegen oder einem Familienurlaub in New York reichen.

Herfried Münkler, Der Große Krieg

andreas.markt-huter - 10.07.2014

„Der Große Krieg von 1914 bis 1918 war nicht nur die ‚Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts‘ wie ihn der amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan bezeichnet hat, sondern auch das Laboratorium, in dem fast alles entwickelt worden ist, was in den Konflikten der folgenden Jahrzehnte eine Rolle spielen sollte …“ (9)

Vor 100 Jahren begann der Große Krieg bzw. der 1. Weltkrieg der in den Augen eines Großteils der damaligen Zeitgenossen spätestens bis Weihnachten 1914 entschieden sein sollte. Stattdessen dauerte der Krieg vier Jahre und verdrängte Europa mit seinen Toten, Zerstörungen und Vermögensverlusten von der Spitze der großen Weltpolitik. Wie es dazu kam und weshalb es den europäischen Mächten nicht gelang, den Krieg zu beenden, analysiert Herfried Münkler minutiös in seinem großen Geschichtswerk „Der große Krieg“.

Picus-Verlag: Erich Hackl / Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Im Kältefieber

h.schoenauer - 06.07.2014

Der Österreicher ist ein begeisterter Kaiser-Fan, SUV-Driver und Schifahrer, da hat er es nicht gern, wenn er an Diktatur und Bürgerkrieg erinnert wird.

Anlässlich 80 Jahre Österreichischer Bürgerkrieg haben Erich Hackl und Evelyne Polt-Heinzl ein Lesebuch zu den Februartagen 1934 herausgebracht. Nicht nur der „Termin“ des Bürgerkrieges wird geflissentlich verdrängt, auch die Texte darüber sind längst unter der Staubschicht des österreichischen Vergessens von der Gegenwart abgeschottet.

Antonio Fian, Das Polykrates-Syndrom

h.schoenauer - 03.07.2014

Alle Krankheiten, die nach alten griechischen Sagenfiguren benannt sind, sind in Wirklichkeit moderne Seelen-Deformationen, die es mit antikem Design zu modischer Anerkennung bringen. Polykrates, der Tyrann von Samos, hat so viel Glück, dass er sich schließlich selbst davor zu fürchten anfängt.

Antonio Fian bringt in seinem Roman „Das Polykrates-Syndrom“ einen modernen Helden ins Spiel, der tatsächlich unwahrscheinlich viel Glück hat, obwohl er das pure Grauen durchlebt. Der Akademiker Artur arbeitet wie in Österreich üblich in prekärer Situation in einem Copy-Shop, seine Frau Renate ist wie in allen Aufsteiger-Ehen Lehrerin mit Aussicht auf einen Direktionsposten.

Isabella Breier, Allerseelenauftrieb

h.schoenauer - 01.07.2014

Das sind immer die aufregenden Texte, wenn das verspielte Erzählen selbst erzählt wird.

Isabella Breier trifft für ihren „Allerseelenauftrieb“ ein üppiges Arrangement. Quer über den Text werden Mikrophone aufgestellt, alle möglichen Datenträger zeichnen Gespräche oder Träume auf, in üppigen Sequenzen werden Fragebögen ausgefüllt und Analysen gestartet.

Andrea Zanzotto, Dorfspiel

h.schoenauer - 29.06.2014

Wie kann man einen ungewöhnlichen Lyriker in einer kleinen Schau präsentieren, ohne dass sein Werk zurückgestutzt wird auf die Erfordernisse der modernen Editionskultur?

Unter der geistigen Schutzmacht der Bücherwürmer Lana wird der Lyriker Andrea Zanzotto in einem „kleinen Buch außerhalb der Reihe“ vorgestellt.

Martin Kofler (Hg.), Volldampf

h.schoenauer - 26.06.2014

Wenn eine frisch gegründete Institution mit der ersten markanten Arbeit an die Öffentlichkeit geht, so ist vor allem das erste Thema in seiner Programmatik von schlagendem Interesse. Im Falle des Archivs für Photographische Dokumentation ist es die Pustertalbahn, die als das Rückgrat des Fragmentes Osttirol in ihrer politischen, strategischen und kulturellen Auswirkung gezeigt wird.

Wie emotionsgeladen diese Pustertalbahn für Osttirol ist, zeigt die jüngst erfolgte Einstellung des direkten Zuges von Lienz nach Innsbruck. In diesen Diskussionen kommen neben verkehrstechnischen Fragen nämlich auch emotionale Bindungen, historische Reminiszenzen und die Liebe zu jenem Schienenstrang zum Ausdruck, der den Osttirolern einst den Kontakt mit der Außenwelt ermöglicht hat.