Philipp Hager, Sextant-Sonaten
Wenn dich Gedichte im Titel anspringen wie ein festliches Gedeck, senkst du die Stimme, speichelst ein und blickst gut gelaunt zu den Mitsitzenden am Tisch.
Philipp Hager hat mit Sextant-Sonaten ein Besteck ausgelegt, das die Leserschaft abenteuerlich aufmerksam stimmt, immerhin denken wir beim Sextanten an gesegelten Schiffsverkehr in ungesichertem Gebiet. Und Sonaten bringen ohnehin die Seele zum Klingen, da ist vielleicht noch kein Ton gefallen.
Die erotische Freizügigkeit wird oft als linearer Vorgang missverstanden, wonach die Gesellschaften jedes Jahr frecher werden müssten. In Wirklichkeit ist die Gegenwart oft ganz schön verklemmt, wenn man sie an wilden Epochen misst.
Für einen Leser, den wir sehen, stehen hundert unsichtbare Leser. Für eine Sprache, die wir sprechen, stehen hundert ungehörte Sprachen.
In der Chemie und in der Literatur geht es vor allem darum, intelligente Verbindungen zu finden. Die Verbindung Kunst, Sex und Mathematik klingt so logisch, dass man nie einen Zweifel hegt, sie könnten nicht zusammengehören.
Sind im Existenzialismus überhaupt Gefühle erlaubt? Und wenn ja, stören sie dann nicht den Existenzkampf und lenken ab vom Thema Leben und Tod?
Das höchste Kompliment, das es in einer Beziehung geben kann, ist der Hinweis auf die Individualität der Beteiligten, die aber trotzdem ein gemeinsames Produkt zustande bringen.
Es gibt Begriffe, da will man unbedingt mehr wissen, wenn sie unvermittelt auftauchen. Landschaft und Schnee sind unendlich weite Zustände, die einen ein Leben lang aufsuchen, und über der Fügung liegt etwas von Unsterblichkeit.
Obwohl Lyrik ständig mit Schnappschüssen und Bildern arbeitet, zeigt sich in ihr immer auch eine Dynamik, eine Bewegung oder ein Lebenslauf.
Im Idealfall findet ein Mensch für den Verlauf seines Lebens ein Bild, mit dem er sich durch fremdes Gelände fragen kann, und welches ihn gleichzeitig unverwechselbar macht.
Besonders schöne Kurven gelingen in der Mathematik immer, wenn man sie als Ableitungen ausführt. Zuerst wird die Wirklichkeit auf der ersten Ebene vermessen, daraus lassen sich dann diverse Ableitungen ziehen, die die besondere Wirklichkeit aus einer Wirklichkeit herausdestillieren.