Robert Prosser, Phantome
Jedes geniale Kunstwerk hat einen Karabiner eingebaut, mit dem es sich um den Hals des Lesers schlingt wie ein Mühlstein, mit dem es aber auch den Leser sichert in einer unermesslich stabilen Felswand der Fiktion.
Robert Prosser hat mit seinen „Phantomen“ ein geniales Kunstwerk der Aufklärung und Nacharbeitung des „Bosnien“-Krieges geschrieben. Sein Karabiner, mit dem er an uns Leser andockt, ist die Welt der Graffiti. Jeder, der schon einmal das „Phantom“ Graffiti gesehen hat, ist von einem Gefühl des Verdrängens, der Neugier oder Ablehnung unterfüttert, nur die wenigsten machen sich Gedanken, wer hinter den „Graffs“ stecken könnte und was er damit bezweckt.
Wann immer die Wörter „türkisch“ und „deutsch“ in einem Satz zusammenstoßen, besteht für den Autor große Gefahr, gesucht, entführt und eingesperrt zu werden.
Die wirklich wahnsinnigen Bücher dieser Welt kann man nicht rezensieren. Man kann nur eine Art Notizzettel der Ermunterung abliefern, dass sich die Sicht auf das eigene Leben verändert, wenn man so ein Buch liest.
Im Märchen liegt die Prinzessin mit Eigenwillen auf der Erbse, und scannt mit dem Hintern die Unebenheiten ab. Wenn hingegen eine selbstbewusste Frau der Gegenwart die Unebenheiten der Gesellschaft mit offenen Sinnesorganen scannt, wird ihr das als „Erbsenzählerei“ ausgelegt.
Bei autobiographischen Texten stellt sich dem Leser immer die brisante Frage: Wie zufrieden und bescheiden ist der Autor trotz seines gewaltigen Lebens geblieben? Denn machen wir uns nichts vor, jedes Leben wird überdimensioniert wichtig, sobald es aufgeschrieben wird.
Magische Bücher, die uns ungefragt in den haptischen Textkorpus hineinziehen, haben meist selbst ein außergewöhnliches Schicksal.
Im Österreichischen wird der Schrecken oft durch die Verkleinerungsform gesteigert, so ist das Wamperl größer als die Wampe, das Angsterl brutaler als die Angst, und selbstverständlich das Putscherl gefährlicher als der Putsch.
Opernfiguren brauchen vor allem eines: Viel Luft rund um sich, damit sie sich stimmlich ausbreiten und ihre Persönlichkeit entfalten können.
Üblicherweise muss ein Dichter von Kindesbeinen an gegen eine feindliche Umwelt kämpfen und alle seriösen Berufsangebote ausschlagen, damit er sein Leben der Literatur opfern kann. werden kann.
Wem die Natur zu wenig dramatisch ist, der baut in der Landwirtschaft gerne sogenannte Lostage darin ein. Lostage verstärken einen Zustand ins Unermessliche und wirken wie eine Zauberkraft. Wer an Lostagen alles richtigmacht, kann die Natur vielleicht überlisten. So sind Lostage Wünsche und augenzwinkernde Logik in einem.