Aktuelle Buchtipps

 

Benedict Mirow, Joshua Jackelby

Andreas Markt-Huter - 05.03.2026

Benedict Mirow, Joshua Jackelby„Josh wohnte im Bahnhof, wie die anderen Zeitungsjungen. Sie nannten sich die Waterloo Boys, nach dem großen Gebäude, das erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Der Bahnhof war ihre Heimat. Hier verkauften sie den Reisenden Zeitungen für zwei Pence und hatten niemanden, außer sich selbst. Die meisten schliefen, wo immer sie gerade Platz fanden. Die Mutigen legten sich auf den breiten Eisenträgern der weiten Dachkonstruktion zur Ruhe. Bis sie vom schrillen Pfeifen des ersten Zuges geweckt wurden und sie in der Druckerei flussaufwärts die neuesten Ausgaben der »London Times« abholten.“ (S. 7)

Die Geschichte beginnt im März 1851, wo in London Königin Victoria gerade die Weltausstellung im Crystal Palace eröffnet und der Zeitungsjunge Joshua Jackelby, die aktuellen Nachrichten über dieses Ereignis verbreitet. Wie die anderen Zeitungsjungen gehört er zu den sogenannten Waterloo Boys, deren Arbeitsplatz und Heimat der Bahnhof der Waterloo Station ist. Bald wird er in gewisser Weise selbst in die Ereignisse rund um die Weltausstellung gezogen werden wird.

Anna Rottensteiner, Mutterbande

h.schoenauer - 04.03.2026

Anna Rottensteiner, MutterbandeEin vielschichtiger Roman hat den Vorteil, dass man ihn nicht falsch lesen kann. Denn eine Komponente passt immer, und über diesen entgegenkommenden Weg öffnen sich bald auch die Seitenstränge und Querträger der Komposition.

Anna Rottensteiner streut unter dem vielschichtigen Titel „Mutterbande“ verschiedene Zugänge zu einer Geschichte Tirols im letzten Jahrhundert, dabei wird die „Erlebnis-Last“ auf die Schultern einer Handvoll Frauen verteilt. Auf der einen Achse ruhen die historischen Aspekte von Migration in der Monarchie, Weltkriege, Teilung des Landes, Sprachflüsse, Faschismus, Option und Emanzipation, auf der anderen Achse sind familiäre Zusammenhänge, emotionale Knoten, Rollenbilder und unauffällige Frauenbiographien abgelegt.

Amanda Wood, Handbuch der magischen Experimente

Andreas Markt-Huter - 03.03.2026

Amanda Wood, Handbuch der magischen Experimente„In dieser Zauberschule wirst du einiges über die Welt um uns herum und ihre Magie erfahren. Diese Magie gilt es zu entdecken. Als Zauberinnen und Zauberer interessieren uns Stoffe und ihre Umwandlung. […] Auf diesen Seiten findest du viele Anleitungen zu magischen Experimenten und die Erklärungen, was dabei jeweils genau abläuft.“ (S. 2)

Die Welt der Physik und Chemie erscheint mitunter wie ein magisches Experiment, in dem Erscheinungen zu beobachten sind, die die Beobachter in Erstaunen versetzen. Das „Handbuch der magischen Experimente“ bietet Anleitungen für vierzig Experimente, mit denen junge „Zauberlehrlinge“ Publikum zum Staunen bringen und begeistern können.

Larysa Maliush, Mahlzeit!

Andreas Markt-Huter - 28.02.2026

Larysa Maliush, Mahlzeit!„Vollmondnächte waren eine große Sache. Denn dann musste jeder Wolf – vom kleinsten bis zum größten – dem Mond ein Lied vorsingen. Das war ihre Art, um Glück bei der Jagd zu bitten. Grauschnauz beschloss, zum Waldrand zu gehen, weg von seinem Rudel. Er wusste, dass das nicht in Ordnung war. Aber es fiel ihm einfach schwer, zu singen, wenn zwei Dutzend Wölfe neben ihm heulten.“

Während alle Wölfe als Rudel gemeinsam vor der Jagd den Mond anheulen, fühlt sich ein Wolf in der großen Menge unwohl und beschließt den Mond allein und abseits von den anderen zu besingen und das Glück ganz für sich allein und erhaschen.

Johan Rundberg, Mika Mysteries - Der Ruf des Nachtraben

Andreas Markt-Huter - 26.02.2026

Johan Rundberg, Mika Mysteries - Der Ruf des Nachtraben„In der Kälte dampft der kleine, nackte Körper wie ein frisch gebackener Laib Brot. Rasch schlägt Mika das Tuch wieder um den Säugling. »Wie heißt du?«, bringt sie schließlich hervor. Der Junge erschaudert und sieht die Straße hinunter. Als er Mikas Blick erwidert, verzieht er den Mund zu einem ängstlichen Lächeln. »Der Dunkle Engel weiß, dass ich sie genommen habe.« Ehe Mika etwas erwidern kann, dreht sich der Junge um und eilt davon.“ (S. 8)

Eines Nachts wird ein frischgeborenes Baby von einem Jungen in einem Waisenhaus abgegeben. Das zwölfjährige Waisenkind Mika nimmt das Baby entgegen und erblickt im zwielichtigen Hintergrund einen Mann, der sie beobachtet. Noch in derselben Nacht kommt es einem mysteriösen Mord und die Polizei beginnt sich für Mikas Beobachtungen während dieser Nacht zu interessieren.

Hayley Hoskins, Whisperling - Die Geister-Detektivin

Andreas Markt-Huter - 24.02.2026

Hayley Hoskins, Whisperling - Die Geister-Detektivin„Meine Eltern treiben Geschäfte mit dem Tod. Genauer gesagt besitzen sie ein bescheidenes Bestattungsunternehmen in Alderley, dort, wo wir wohnen. Mit der Kutsche liegt es eine halbe Tagesreise von Bristol entfernt. Pa ist Möbeltischler von Beruf und hat begonnen schlichte Särge zu fertigen. Mama kümmert sich um die Aufbahrung der Leichen. »Die Toten können keinem mehr schaden«, bemerkt sie gern.“ (S. 11)

Die zwölfjährige Peggy Devona aus Alderley hat Erfahrung mit dem Tod, führen ihre Eltern doch ein Bestattungsunternehmen. Doch besitzt sie noch eine ganz außergewöhnliche Gabe: Sie ist eine Wisperling und kann mit den Seelen der Verstorbenen sprechen. Da den meisten Menschen diese Fähigkeiten Angst machen, hält sie diese vor der Außenwelt geheim. Nur ihre Eltern und ihre beste Freundin Sally wissen davon.

Elisa Asenbaum (Hg.), nie als allein

h.schoenauer - 23.02.2026

Elisa Asenbaum (Hg.), nie als alleinBücher, die ein extrem peripheres Sachgebiet abdecken, werden durch KI mittlerweile an den Mainstream angedockt, indem sachkundiges Bibliothekspersonal die entsprechenden Schlüsselbegriffe vernetzt. So tauchen scheinbar marginale Thesen eines Buches überraschend als Treffer an ganz anderer Stelle auf, wenn sie von einer Suchfunktion im Netz angesteuert werden.

Elisa Asenbaum kuratiert unter dem Titel „nie als allein“ ein Projekt, worin das Phänomen Dialog im Konnex mit lyrischen Interferenzen poetisch-wissenschaftlich abgehandelt wird. Die Initiatorin des Projekts fragt sich eines Tages, mit wem und womit sie eigentlich während des Tages dienstlich korrespondiert. Dabei stechen ihr zwei Themenbereiche ins Auge:

Anitra Rowe Schulte, Der kleine Hase und die alte Weide

Andreas Markt-Huter - 21.02.2026

Anitra Rowe Schulte, Der kleine Hase und die alte Weide„Der kleine Hase liebte den großen, weiten Wald. Jeder Tag war voller Abenteuer, von Sonnaufgang bis zum Mondschein. Eines Tages hörte er ein Knistern im Unterholz und dann eine Stimme: »Lauf! Finde einen sicheren Platz zum Großwerden.« Der kleine Hase wäre gerne geblieben, aber er vertraute der Stimme.“

Auf der Suche nach einem sicheren Platz wandert der kleine Hase durch den Wald, bis er an eine Lichtung gelangt, wo er eine alte große Weide entdeckt. Müde von seiner Reise bittet das Häschen die Weide um Unterschlupf. Die Weide öffnet ihre Zweige und das Häschen findet zwischen den Blättern ein neues Zuhause.

Judith Weber, Sherlock Holmes & Dr. Watson - Die Jagd nach dem Geisterzug

Andreas Markt-Huter - 19.02.2026

Judith Weber, Sherlock Holmes & Dr. Watson - Die Jagd nach dem Geisterzug„Willkommen in der Baker Street 221b! Wenn Ihr zu Sherlock Holmes möchtet: Hinten anstellen! Die anderen warten auch alle auf ihn. Kein Wunder, er ist ja auch der berühmteste Detektiv der Welt – und mein bester Freund. Gestatten: John Watson, Geschichtenerzähler und Erfinder von Dingen, die die Welt nicht braucht. Kommt, ich nehme euch mit rein!“

Sherlock Holmes Haus wird ständig von Leuten mit ihren kleinen Problemen belagert, während der große Detektiv gelangweilt auf einen großen Fall wartet und sich die Zeit mit Sudokus totschlägt. Als ein Elefant gerade sein Problem mit Katzen vorträgt, beginnen die Wände zu wackeln und ein Zug rauscht in die Baker Street. Holmes beschließt dem Rätsel um den geheimnisvollen Zug nachzugehen.

Ulrike Titelbach, augen im hoiz

h.schoenauer - 18.02.2026

Ulrike Titelbach, augen im hoizEin Gedicht versammelt tausend Weisen und auf tausend Weisen gelangt man zum Gedicht. Nach dieser großzügig formulierten Definition ist es ein nützlicher Vorgang, den Titel auf sich wirken zu lassen, damit man durch ihn in das Innere des Buches gezogen wird.

Ulrike Titelbach gibt ihren Kurzgedichten in zwei Klangfarben den Titel „augen im hoiz“. Diese drei Wörter sind bereits in mehrfacher Hinsicht Programm. Die Gedichte sind nämlich zu einem Dreiklang aufgebaut: Titel, Haiku in leicht abgeschrägtem Dialekt, Haiku in verschriftlichter Gebrauchssprache. Alles ist in Kleinbuchstaben gesetzt, der Mundart-teil in der Mitte tritt in einem helleren Grauton auf, Titel und Schlusszeile erstrahlen in voller Druckkraft aus dem Layout.