Aktuelle Buchtipps

 

Erich Hörtnagl, Unforgettable – Unforgotten

h.schoenauer - 12.01.2026

Erich Hörtnagl, Unforgettable – UnforgottenWas immer das Leben unvergessen machen kann, es gleicht einer Sanduhr, die ein paar Mal gedreht wird, ehe der Sand in der Zeit verschwunden ist.

Erich Hörtnagl legt mit „Unforgattable – Unforgotten“ sein Lebenswerk als Fotograf und Dramaturg vor. Die Bilder sind als wohl überlegte Ausschnitte einer weltumspannenden Choreografie aufbereitet, der Buchtitel ist als unsichtbares Relief in den Buchumschlag gestanzt, sodass man ihn in der Hauptsache abtasten muss. Beim ersten Anfassen des Buches werden Zeitgenossen blitzartig an einen Laptop erinnert, was Gewicht und Haptik betrifft, ehe dann die kulturell gestanzte Erinnerung an das Handwerk der Buchdruckkunst einsetzt.

Manfred Theisen, Escape – Der Schlüssel sind wir

Andreas Markt-Huter - 10.01.2026

Manfred Theisen, Escape – Der Schlüssel sind wir„Von einer Sekunde auf die andere war es dunkel. Die sechs Probanden hörten, wie sich der Schlüssel im Schloss hinter ihnen drehte. Dann war es totenstill. Marc versuchte die Tür wieder aufzudrücken. »Die hat uns echt eingesperrt. Kackdreist.« Wieder Stille. Sarah hörte Emma neben sich schwer atmen. Josh sagte: »Stunde Null. Das bezeichnet die Stunde nach dem Zweiten Weltkrieg. Sechzig Millionen Menschen waren gestorben, danach mussten sich die Deutschen die Zivilisation erst wieder aus der Dunkelheit zurückholen.«“ (S. 13)

Sechs Schüler wurden ausgewählt, um an einem politisch-soziologischen Experiment teilzunehmen. Das portable Escape-Game zum Thema Demokratie, das schon seit einem Jahr von Schule zu Schule tingelt, findet in einer riesigen weißen Kiste statt, die beinahe den gesamten Turnsaal ausfüllt. Nachdem die Kandidaten den Raum betreten haben, wird es dunkel und die Tür versperrt.

Erwin Moser, Die drei kleinen Eulen und andere Tiergeschichten

Andreas Markt-Huter - 08.01.2026

Erwin Moser, Die drei kleinen Eulen und andere Tiergeschichten„In einer Turmruine, mitten in einem großen Wad, lebte einmal eine Eulenfamilie. Sie bestand aus Vater und Mutter Eule und drei kleinen Eulenkindern. Die Euleneltern waren sehr stolz auf die drei Jungen, und sie wünschten sich, dass alle drei einmal sehr kluge und weise Eulen werden würden. Sie brachten ihren Kindern das beste Futter, das sie finden konnten, und zogen sie mit viel Liebe und Sorgfalt auf.“ (S. 9)

Der Sammelband vereint sechs liebenswerte Tiergeschichten von Erwin Moser, die mit dem unvergleichlichen Erzählstil und den ebenso unverkennbaren Illustrationen des Künstlers ein beeindruckendes gemeinsames Leseerlebnis für Jung und Alt versprechen.

Louisa May Alcott, Little Women - Vier Schwestern halten zusammen

Andreas Markt-Huter - 05.01.2026

Louisa May Alcott, Little Women - Vier Schwestern halten zusammen„»Weihnachten ohne Geschenke ist einfach kein Weihnachten«, maulte Jo, die auf dem Teppich lag. »Arm zu sein, ist schrecklich!«, jammerte Meg, die seufzend ihr altes Kleid betrachtete. »Ich finde es ungerecht, dass manche Mädchen jede Menge hübsche Sachen haben und andere gar keine«, fügte die kleine Amy mit einem gekränkten Schniefen hinzu. »Immerhin haben wir Mutter und Vater und uns«, sagte Beth zufrieden in ihrer Ecke.“ (S. 7)

Mitten im Amerikanischen Bürgerkrieg feiert die Familie March in Neuengland ein bescheidenes Weihnachtsfest, während ihr Vater, der Gelehrte und Pastor Robert March als Oberst in der Unionsarmee dient. Ihre Mutter Margret, von allen Marmee genannt, kümmert sich als Haushaltsvorstand in dieser Zeit um ihre Erziehung und engagiert sich für wohltätige Zwecke.

Kathrin Lena Orso, Die gestohlene Geisterstunde

Andreas Markt-Huter - 01.01.2026

Kathrin Lena Orso, Die gestohlene Geisterstunde„Max ist ein Gespenst, Er wohnt auf Burg Flackerstein. Tagsüber schläft er. Nachts ist er hellwach. Vor allem, wenn die Turmuhr zwölf Mal schlägt. Dann ist Geisterstunde! Im letzten Jahr hat Max viel gelernt: Wie man durch Wände fliegt. Wie man schaurig „Buhuu!“ ruft. Und wie man im Dunkeln leuchtet.“ (S. 8 f)

Als sich die großen Gespenster für einige Tage zu einem Gruseltreffen aufmachen schlägt für Max und seine beiden Freunde Lu und Husch die große Stunde. Die kleinen Burggespenster haben schon viel geübt und dürfen nun endlich einmal ganz allein in der Burg herumspuken.

Richard Wall, Die nahrhafte Verzweiflung des Wirklichen

h.schoenauer - 29.12.2025

Richard Wall, Die nahrhafte Verzweiflung des WirklichenWenn man über etwas trauert, das man vage als schön empfindet, gerade weil es vergangen ist, beschleicht einen manchmal das Gefühl von Melancholie. Diese kann sich als künstlerische Haltung bis hin zum Genre ausbilden, man denke etwa an Joseph Roth und seinen Abgesang auf die Monarchie, an Gerhard Fritschs Roman „Moos auf den Steinen“, oder Franz Tumlers „Der Schritt hinüber“.

Richard Walls Grundbefinden als Bildender Künstler und Schriftsteller ist eine individuelle Nuance dieser Melancholie. Gespeist wird sie aus dem Erwachen der Sinne in den 1950er Jahren im Mühlviertel, als es noch eine Landschaft gibt und die Dinge und Gerätschaften einen Sinn haben, wenn man sie für die tägliche Lebensgestaltung in die Hand nimmt.

Christelle Dabos, Die Spur der Vertrauten

Andreas Markt-Huter - 27.12.2025

Christelle Dabos, Die Spur der Vertrauten„Flo wäre beinahe mein elftes Leben gewesen. Es war an einem Sommerabend mitten im Schuljahr, auf einer Brücke. Ich habe sie nie gefragt, warum sie springen wollte. Ich hätte sie zum Büro der Zählstelle schleifen können, sie verpfeifen, meinen letzten Punkt einsammeln und, wie vorgesehen, vor der Volljährigkeit ein Tugendhafter werden können. Aber ich hab’s bleiben lassen. In einer ganz auf den Wert des menschlichen Lebens aufgebauten Gesellschaft ist man mit dem Vermerk «selbstmordgefährdet» in seiner Akte das Allerletzte.“ (S. 32)

Die Geschichte spielt in einer dystopischen Welt, in welcher der Weg der Mitglieder der Gesellschaft vorbestimmt ist und in der nur das Kollektiv, das „Wir“ zählt. Alle Menschen weisen einen bestimmten Instinkt auf, der sie antreibt, permanent für das Allgemeinwohl sorgen zu wollen. Die soziale Ordnung wird bestimmt durch strenge Regeln, unterdrückte Individualität und vorgegebene Instinkte und Aufgaben, die erfüllt werden müssen.

Christian Kössler, Von Weltliteratur, Fabriken und gezähmter Wildnis

h.schoenauer - 25.12.2025

Christian Kössler, Von Weltliteratur, Fabriken und gezähmter WildnisWenn man ein gesamtes Leben als Biographie in einem Buch unterbringen kann, so müsste es auch möglich sein, einen gesamten Stadtteil zu einem Buch zu verdichten, indem man einen begeisterten Bewohner darin herumgeistern lasst.

Seit Jahren lässt die Wagnersche Buchhandlung in der Tradition sorgfältiger Geschichtspflege belesene Abenteurer durch die Stadtteile von Innsbruck pirschen, um darin Phantastisches zu entdecken und für die ahnungslosen Bewohner freizulegen.

Christian Kössler ist als Bibliothekar und Autor grotesker Geschichten prädestiniert für eine Erkundungsreise durch Mühlau, das sich als gebirgiger Stadtteil Innsbrucks wie ein Kind an die Nordkette klemmt.

Emmanuelle Rey, Wo ist die Mütze vom Weihnachtsmann?

Andreas Markt-Huter - 23.12.2025

Emmanuelle Rey, Wo ist die Mütze vom Weihnachtsmann?„An diesem Morgen wacht der Weihnachtsmann sehr früh und sehr vergnügt auf: Die schönste Zeit des Jahres ist gekommen! Vollbepackt mit Geschenken wird er heute Abend zu den Kindern auf der ganzen Welt fliegen. »Ho ho ho! Wie die Luft nach Lebkuchen, Schnee und Tannennadeln duftet … Heute ist der große Tag!« »Beeil dich lieber Weihnachtsmann, zieh dich an!« »Meine Strümpfe, meine Stiefel,, mein Gürtel, alles liegt bereit. Aber … Sapperlot! Wo ist meine Mütze?«“

Weihnachten steht vor der Tür und der Weihnachtsmann ist wieder ganz in seinem Element. Alles ist vorbereitet, um den Kindern am Abend die heiß ersehnten Geschenke zu bringen. Nur dumm, dass ausgerechnet als er aufbrechen will, seine Mütze nirgends zu finden ist. Eine aufgeregte Suche beginnt.

Sven Gerhardt, Das wunderbare Weihnachtsriesenrad

Andreas Markt-Huter - 20.12.2025

Sven Gerhardt, Das wunderbare Weihnachtsriesenrad„Lappland 1897 – Der Letze Pinselstrich ist gesetzt und die Farbe auf dem metallenen Schild beginnt zu trocknen. Schon sehr bald wird das dampfgetriebene Riesenrad zum ersten Mal seine Runden drehen. Die Menschen werden lachen, die Aussicht genießen und für einen Moment alles vergessen, was ihnen Sorgen macht.“ (S. 7)

Jul wohnt am Marktplatz und kann von seinem Fenster aus die Stände des Weihnachtsmarktes sehen. Besonders angezogen wird er jedoch von der neuesten Attraktion, dem dampfbetriebenen altertümlichen Riesenrad, das im Grunde alles andere als riesig ist. Mit seinen fünf Gondeln in denen nur 20 Personen Platz finden, bietet es von seinem höchsten Punkt eine Aussicht, die mit seinem Blick aus dem Fenster im 2. Stock vergleichbar ist.