Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild
„Es gab einmal Zeiten, manche erinnern sich noch, da wurden die Konflikte durch Erklärungen, Entschuldigungen oder klitzekleine Racheaktionen beigelegt – oder es wurde der Rechtsweg beschritten. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch hat sich eine Konfliktkultur mit völlig neuen Strukturen und Dynamiken herausgebildet.“
Maria-Sibylla Lotter geht der Veränderung im gesellschaftlich-psychologischen Diskurs nach, die zunehmend von einem Antagonismus zwischen Gruppen, mit einem sensibilisierten Verständnis von Leid und Opfer, und einer Gegenbewegung aus, die sich gegen einen überhöhten moralischen Anspruch und eine Einengung der Rede- und Meinungsfreiheit ausspricht.
Mit fünfzig hält ein sensibler Künstler meist öffentlich inne, um sein Werkeln zu reflektieren und seinem Publikum fallweise darzulegen, welche Entwicklungskurven seine Kunst genommen hat. Denn in der Kunst ist nichts geradlinig.
Wie Sand im Stundenglas pendelt jedes Gedicht zwischen Theorie und Anwendung hin und her und häuft dabei Zeit als Gutschrift für die Ewigkeit an.
Widerstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.
In der naiven Malerei sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst, Autodidaktik und Akademie aufgehoben. Was als schlichte künstlerische Äußerung erscheint, ist in Wirklichkeit eine Handhabung der Realität unter dem Filter der Lebenserfahrung.
Manche Bücher verhexen das Fachpublikum mit ihren schlauen neuen Erzählstrategien, andere wirken auf das alltägliche Sprechgeschehen ein wie der sprichwörtliche Gassenhauer für einfache Handgriffe.
Wer das erste Mal durch Zufall oder als Geheimtipp in das Darknet geraten ist, wird hinterher nur schwer beschreiben können, was er darin gesehen hat. Martin Mader entführt mit dem Roman „Am Anfang wieder die Nacht“ die Leser in ein Darknet, worin alles vorkommt, was man sich in einer Gegenwelt erwarten möchte: Dunkelheit, Exzesse, Geld, Drogen, Waffen, Verschwörungen, Geschäfte.
„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)
Pop-Literatur und Pop-Musik haben einen gemeinsamen Freund: Den Fußball. Allen drei Kunstgattungen ist eine wolkige Aura übergestülpt, die mit dem Schlüsselbegriff „naiv-romantisch“ umschrieben werden kann.
„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)